Unternehmen müssen mehr als Brötchengeber sein

von Sanela Hodovic

von Sanela Hodovic

Viele Unternehmen stehen vor zwei Herausforderungen: Erstens dem Rekrutieren und Halten von Mitarbeitern sowie zweitens dem Umsetzen flexibler Arbeitszeiten und mobilen Arbeiten. Dabei gilt: Arbeiten Beschäftigte überwiegend im Home-Office, kann ihre Unternehmensbindung deutlich schwinden.


Unter Umständen suchen sie sich einen neuen Job. Was es zu beachten gilt, um beide Bereiche in Einklang zu bringen und warum neben einer guten Firmenkultur die Qualität des Büroarbeitsplatzes wichtig ist.

Sehr viele Mitarbeitende wollen weiterhin regelmäßig im Home-Office arbeiten und nur ab und an ins Büro kommen. Dies belegen auch Studien: Eine Untersuchung des Personaldienstleisters Randstad Deutschland von Oktober 2021 kommt zum Ergebnis, dass 54 Prozent der Erwerbstätigen bei der Arbeitgeberwahl Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legen und 46 Prozent während der Home-Office-Phasen in den Corona-Lockdowns ihre Kolleginnen und Kollegen vermisst haben. 63 Prozent bleiben bei ihrem Arbeitgeber, weil sie die Arbeitsatmosphäre schätzen, 56 Prozent, weil sie Job und Freizeit gut vereinbaren können. Was die Flexibilisierung der Arbeitswelt betrifft, so wünschten sich 63 Prozent der Befragten einen zeitlich flexiblen Job und 32 Prozent bevorzugen hierbei eine Kombination aus Präsenzarbeit und Home-Office; lediglich 9 Prozent wollen ausschließlich im Home-Office arbeiten (Quelle: Randstad New Work Trendreport).

Mitarbeiter im Home-Office dürfen nicht übersehen und abgehängt werden

Die Unternehmen müssen dafür Sorge tragen, dass Mitarbeiter, die auf eigenen Wunsch häufig von Zuhause aus tätig sind, nicht abgehängt werden gegenüber Kolleginnen und Kollegen, die regelmäßig ins Büro kommen. Das betrifft Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen ebenso wie die Teilhabe an wichtigen Entscheidungen und dem wichtigen Flurfunk. Es muss verhindert werden, dass Mitarbeitende, die überwiegend mobil arbeiten, übersehen werden oder sich wie Freelancer fühlen.

Untersuchungen zeigen, dass die Unternehmensbindung von Beschäftigten, die viel im Home-Office tätig sind, gering ist und das Risiko besteht, dass sie kündigen und den Job wechseln. Diese Tatsache bereitet allen Personalverantwortlichen Kopfschmerzen. Zur geringen Bindung und hohen Wechselbereitschaft kommt hinzu, dass viele Firmen unter Fachkräftemangel leiden, der sich oft durch alle Abteilungen und Ebenen erstreckt.

Daher muss die Unternehmenskultur auf diese geänderten Vorzeichen reagieren und unter anderem an der Mitarbeiterbindung arbeiten. Dafür muss das Unternehmen mehr sein als ein „Brötchengeber“. Das Büro muss künftig noch mehr ein Ort des sozialen Miteinanders sein, wo sich die Beschäftigten wohlfühlen, weil sie einen modernen Arbeitsplatz haben mit guter Klimatisierung und Beleuchtung und einwandfreier technischer Infrastruktur. Angestellte schätzen es, wenn sie mit Kolleginnen und Kollegen in der Mittagspause in der Nachbarschaft ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot finden und es für ihre jeweiligen Tätigkeiten spezielle Bereiche gibt: für konzentrierte Stillarbeit Einzelbüros, für längere Telefonate eine schallschluckende Kabine und für Kundentermine und Teammeetings Besprechungsräume. Darüber hinaus ist der Flurfunk ein wichtiges Bindungsinstrument und fördert den Austausch unter und mit den Mitarbeitern.

Wird ein Schreibtisch neben dem anderen in einem funktionalen Raum aufgestellt, sind die Arbeitsstrukturen zeitlich und räumlich starr: das war gestern. Eine neue Generation von Beschäftigten mit höheren Ansprüchen an die Selbstverwirklichung und die Relevanz ihres Tuns, zwingen Unternehmen zum Umdenken. Tun sie dies nicht, verlieren sie beim „War of talents“.

New Work und moderne Unternehmenskultur hat Auswirkungen auf Flächenbedarf

Führungskräfte müssen ein Mindset entwickeln und leben, in dem New-Work-Ideen einfließen. Das beinhaltet unter anderem, mehr auf die Bedürfnisse der Angestellten einzugehen, etwa nach flexiblen Arbeitszeiten, einer lebenslangen Förderung und Weiterbildung etc. Beim persönlichen Austausch der Beschäftigten im Büro entstehen neue Ideen und Lösungsansätze, auf die man beim Grübeln im Home-Office alleine nicht kommt. Gemeinsamer Sport auf dem Firmenareal oder Events wirken identitätsstiftend. Das Büro sollte ein Ort sein, an dem man sich der Werte und Loyalität der Firma versichert und die Akkus mit neuen Eindrücken und Ideen aufgeladen werden, die im Home-Office umgesetzt werden können.

Immer mehr Unternehmen erkennen das nach zwei Jahren Pandemie. Ihre Bereitschaft ist gestiegen, in die Qualität und Ausstattung ihrer Büroflächen zu investieren, um ihren Mitarbeitenden am Arbeitsplatz Mehrwerte zu bieten“, erläutert Uwe Mortag, Geschäftsführer von Larbig & Mortag Immobilien in Köln. „Vor diesem Hintergrund beobachten wir, dass häufiger Personalverantwortliche von Unternehmen auf Flächensuche bei den Gesprächen und Besichtigungsterminen dabei sind. Denn viele Konzepte, die für eine moderne Unternehmenskultur nötig sind, gehen mit speziellen Flächenanforderungen einher“, ergänzt der Immobilienexperte. Als Beispiel nennt er extra Flächen, auf denen für Mitarbeitende Fitnessmöglichkeiten angeboten werden können, entweder in Innenräumen oder im Außenbereich wie auf der Dachterrasse des Gebäudes. Solche Flächen müssen verfügbar und eine entsprechende Nutzung erlaubt sein. Auch an Umkleidekabinen und Duschen müsse gedacht werden, so seine Erfahrung. Auch Jobbikes, E-Lade-Stationen für Fahrräder, ein Bistro im Bürogebäude mit Freisitz oder ein Kreativraum werden immer mehr nachgefragt. Das Angebot runden eine hauseigene Paketstation, ein Raum für Lebensmittellieferdienste oder eine Quartiersapp zum Austausch der Mitarbeiter ab.

Kurz gesagt: Der Flächenbedarf bleibt in etwa gleich, wird aber neu gewichtet. In immer mehr Unternehmen haben Mitarbeitende, die nicht jeden Tag kommen, keinen festen Schreibtisch mehr. Stattdessen buchen sie sich im Vorfeld einen freien Arbeitsplatz. Die dadurch eingesparten Flächen werden genutzt, um mehr Flächen für Begegnungen und Besprechungen zu schaffen. Besonders interessant sind solche Konzepte, wenn sich mehrere Büromieter in einem Büro-Campus oder -Quartier gemeinsame Flächen teilen und zusammen Events organisieren, wie einen regelmäßigen Food-Market.

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